Eine kleine Zwischenbilanz

Am Bug des Schiffes

Schon seit 2 Monaten im freien Fluss … Zeit für eine Zwischenbilanz, bevor meine Auszeit in eine neue Phase eintritt. Hier also eine kleine Podiumsdiskussion mit meinen Reisebegleitern aus dem ersten Kapitel:

Finanzen

Das Sparen funktioniert erstaunlich gut – wenn man weiß, wofür man’s tut … Größter Posten bei den Ausgaben bleibt natürlich das Essen – aber da ist auch das größte Einsparpotenzial. Selber kochen statt Kantinenessen ist sehr viel günstiger. Größte Verlockung ist das Essengehen mit Freunden – die kann man aber auch sehr gut mal zum Essen daheim einladen!

Sonstige Versuchungen? Klamotten sind momentan unkritisch, aber Bücher locken doch sehr, vor allem, seitdem ich entdeckt habe, dass ich die sehr gut auf meinem Handy lesen kann. Die Versuchung, mit 1-Click den neuesten Reginald-Hill-Krimi in Reichweite zu haben und gleich mit der Lektüre beginnen zu können, ist groß. (Lese gerade sein vorletztes Werk „A Cure for All Diseases“ – bisher nur auf englisch – ich liebe den Yorkshire Slang!!). Ich habe natürlich genügend ungelesene Bücher im Regal – aber keine Krimis, die werden irgendwie immer gleich inhaliert.

Dummerweise musste ich feststellen, dass ich einen neuen Drucker brauche. Der alte hatte irgendwann seinen Geist aufgegeben. Und kopieren konnte er auch nicht. Das ist von Nachteil, denn Arbeitsamt und Krankenkasse etc. wollen dauernd irgendwelche Kopien haben. Was tun? Tauschen! Schicker neuer Drucker-Scanner-Kopierer gegen diverse gebrauchte Bücher – und keinen Pfennig dazu bezahlt. Geht bei Amazon Trade-In. Man muss allerdings gucken, was die Schätze im heimischen Regal so bringen. Da kann es sein, dass ein relativ neues Taschenbuch zur Hälfte des Neupreises eingetauscht werden kann, während für eine bibliophile antiquarische 10-bändige Ausgabe nur 10 Cent geboten werden. Für letztere empfiehlt sich dann doch eher Booklooker.

Auch die Ebay-Markt-Gesetze habe ich ein wenig studiert. Klamotten sind schwierig zu verkaufen, aber mit gebrauchten Markenschuhen lässt sich schon ein wenig Geld reinholen. Im Herbst wird dann wohl ein Teil meiner Stiefel-Sammlung dran glauben müssen. Tausche Stiefel gegen (Aus-)Zeit!

Wenn Zeit nicht das Thema ist, kann man mit ein bisschen Planung sehr gut kostenlos Kultur konsumieren. Museen haben manchmal bestimmte Tage mit freiem Eintritt (siehe Schwabenrabatt) oder Sonderaktionen (zB in den Sommerferien).

Ordnung

Kalt erwischt hat mich der übermächtige Drang zu entrümpeln, kaum dass ich nicht mehr ins Büro musste. Da konnte ich den ganzen Krempel, den ich im Lauf der Jahrzehnte angesammelt hatte, einfach nicht mehr ignorieren. Kartonweise habe ich Zeug – Deko, Textilien, Geschirr, Elektronik – verschenkt oder weggeschmissen. (Und ein paar wenige Sachen natürlich auch im Internet verkauft.) Anfangs hat das ein rauschhaftes, euphorisches Gefühl ausgelöst, mit jedem Kilo Zeugs, das aus der Wohnung verschwand, meinte ich höher zu schweben. Mittlerweile ist eine gewisse Ernüchterung eingetreten. Es ist immer noch unglaublich viel Kram vorhanden. Die Schränke sind immer noch voll (wenn auch nicht mehr überfüllt). Und der wirklich anspruchsvolle Kram (sowohl was Auswahl und Entsorgung angeht) wartet auf meine Aufmerksamkeit, sprich: die vielen Bücher, CDs, Fotos.

Man kann Entrümpelungsaktionen durchaus kurzweilig gestalten. Etwa wenn man die Weihnachtsdeko im August aussortiert, mit entsprechender akustischer Untermalung (BTW: braucht jemand Lichterketten? Ich glaube ich könnte die Fußgängerzone einer mittleren Kleinstadt damit ausstatten …). Oder mit technischen Spielereien. Alle aussortierten Artikel hab ich fotografiert und automatisch via Evernote archiviert und im Internet veröffentlicht, so dass ich möglichen Interessenten nur noch den Link schicken musste (BTW: braucht jemand Lichterketten? … guckt mal hier!)

Essen

Große Bedenken hatte ich ja beim Thema Verpflegung. Ich koche zwar gerne für Freunde, aber dachte nicht, dass ich das auch für mich allein und jeden Tag tun würde. Tu ich aber. Und lasse mir erstaunlicherweise auch ein bisschen Zeit dafür. Es gibt kein Fastfood, alles wird frisch zubereitet. Ich habe eine Reihe von schnellen Gerichten, und wenn ich etwas aufwändiger koche, dann meist für ein paar Tage im Voraus oder ich friere etwas ein. (Spektakulärste Neuerung ist mein Chili sin Carne mit Sojaschnetzeln.)

Verblüffendster Effekt: zusammen mit meinem Arbeitgeber ist die Schokolade komplett aus meinem Leben verschwunden. Einfach kein Bedarf mehr. Auch das Langeweile- oder Stress-Essen zwischendurch hat aufgehört. 3 Mahlzeiten reichen aus. Nur der Kaffee-Verbrauch ist unvermindert hoch. Wahrscheinlich als Ersatz für die vielen Kaffeepausen mit Kollegen, die es nun nicht mehr gibt.

Sport

Den Sport hat es gar nicht gebraucht, allein die Abwesenheit von berufsbedingtem Unfug hat zu einer deutlichen körperlichen Entspannung geführt. Mein Physiotherapeut ist völlig begeistert von meinem Kiefer. Seitdem ich mich in nichts mehr verbeißen muss, ist der völlig locker und gechillt.

Sport mach ich natürlich trotzdem (und bin angenehm überrascht von ungewohnter Disziplin). Allerdings habe ich deutlich unterschätzt, wie anstrengend das sein kann. Obwohl nicht ganz untrainiert, waren 3x Krafttraining in der Woche in der ersten Zeit doch heftig, ich war oft fix & fertig. Wirklich gut geht es mir erst, seitdem ich es schaffe, nebenher noch hin & wieder joggen zu gehen. Danach sind dann nicht nur die Muskeln, sondern auch der Kopf entspannt. Und es entstehen so allerlei Ideen. Ich kann beim Laufen auch ganz wunderbar Songtexte üben.

Musik

Regelmäßiges Stimmtraining und dann natürlich die Arbeit an den Songs für The Chemical Scourge. Unser erstes Konzert ist schon in 6 Wochen (*bibber*) Hatte zwar gehofft, dass ich daneben noch ein bisschen mehr an den Kompositionen für das FenjaZ-Projekt basteln könnte – aber wie immer hab ich mir da etwas zuviel vorgenommen.

Ich selbst

Was mich zu der letzten Frage bringt, die ich mir vor einigen Wochen im Hinblick auf die Auszeit stellte: kommt da evtl. eine ganz neue Person zum Vorschein? Leider nein. Eine seit vielen Jahren allzu bekannte. Ich musste leider feststellen, dass ich mir auch ohne Arbeitgeber und Broterwerb sehr gut selbst Stress machen kann. Die Tage sind immer noch viel zu kurz. 8 Stunden lang schlafe ich selten und abends falle ich immer mit dem Seufzer ins Bett „Ich wollte doch noch so viel machen …“. Und die Abende, die ich anfangs sterneguckenderweise auf meinem Balkon verbracht hab, sind auch schnell weniger geworden.

Ich stelle das jetzt einfach mal fest, ohne gleich einen 9-Punkte-Plan davon abzuleiten. Seit Anfang dieser Woche ist mein Tagesablauf ohnehin komplett anders: ich mache jetzt nämlich ein Praktikum! Mehr dazu demnächst auf diesem Sender …

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. He Du,

    schon wieder soooo lange nichts gehört, aber ich verfolge fleißig alles!!! Echt spannend ….

    Ich hätte Interesse an einem so nem grünen Schmuckteil und einer Lichterkette 😉 …

    Dann gibts bei Dir weniger und bei mir mehr …

    Müssen uns mal wieder Treffen!

    Lg, Julia

    • Hey Julia,

      schön von Dir zu hören! Das mit dem Treffen nehmen wir in Angriff – gleich mehr per mail. Dann bringe ich auch die Weihnachtsdeko mit 😀

      Bis dahin, liebe Grüße!

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