5 Life Hacks, um die Hitze zu überstehen

Kaninchen aus dem Hut

Früher nannte man so etwas bieder Tipp oder Patentrezept, heutzutage heißt so etwas Life Hack. Klingt viel cooler und suggeriert irgendwie, dass das Leben so etwas ist wie eine schlecht programmierte App, sogar der völlig ahnungslose „life user“ kann nach Anleitung was zusammenstoppeln, was die „user experience“ deutlich verbessert. Wenn ich mir derartige Hacks angeschaut habe (um „Victorias Secret“-taugliche Beine zu bekommen oder das Klo vom Kalk zu befreien) habe ich mich immer gefragt: wie kommt man auf sowas. Jetzt weiß ich: der Druck muss nur ausreichend hoch sein.

Bekanntermaßen hatte der Storch den Auftrag, die kleine Anne-Katrin über Grönland abzuwerfen, hat’s aber verpennt und wurde erst in Höhe Hamburg auf das Versäumnis aufmerksam. Dh ich bin in keinster Weise für Hitzewellen süddeutscher Machart ausgerüstet. Und als nun unverhofft mein Kalender mir viel freie Zeit verhieß, verhieß der Wetterbericht gleichzeitig viele Tage über 30 Grad. Die Stunden zogen sich zäh wie Kaugummi, die Luft schien kaum noch zum Atmen geeignet und mein Hirn in Solidarität mit der Pflanzenwelt zu einem Häufchen Stroh zu mutieren. Last-Minute-Tickets nach Grönland waren fürs Arbeitslosen-Budget doch etwas zu teuer und nach ca. 3000 Krimi-Seiten mochte ich nicht mehr länger irgendwelche blutigen Leichen oder melancholischen Detektive in meinem Kopf beherbergen.

Ich bewegte mich in gefühlter Zeitlupe, bis irgendwann alles stillzustehen schien. All die Dinge, auf die ich mich gefreut hatte – Schreiben, Musikmachen, Sport, In-der-Gegend-rumlaufen – funktionierten nicht mehr. Zeit also fürs Ungeplante, Aberwitzige, Durchgeknallte. Los geht’s.

#1 Keller aufräumen

Die einzigen Orte, an denen brauchbare Temperaturen herrschen, sind Keller und Tiefgarage. Nachdem ich akribisch das Handschuhfach meines kleinen Autos aufgeräumt, die CD-Sammlung sortiert und die Gebrauchsanweisung des Autoradios durchgelesen hatte und die Garagenmitbenutzer mich bereits misstrauisch beäugten, bin ich in meinen Keller umgezogen. Einen Nachmittag hat es allein gebraucht, bis ich sämtliche Verpackungskartons von größeren Geräten zerkleinert habe – ohne allerdings je wirklich ins Schwitzen zu kommen. Kleiner Schönheitsfehler: ich muss jetzt erstmal eine Entsorgungstour auf den – nicht klimatisierten – Wertstoffhof einplanen, bevor ich mit den Kellerregalen weitermachen kann.

[Aus Rücksicht auf zartbesaitetere Leser verzichten wir hier auf eine aktuelle Ansicht des Kellers.]

#2 Traumtagebuch

Wenn der Alltag sehr stressig ist, erinnert man sich meist nicht an die nächtlichen Träume. Doch auch nach ein paar Wochen mit viel Schlaf und ohne Arbeits-Stress stellten sich bei mir keine Bilder ein. Die Nächte waren wie Blei, ich kam mir vor wie ein Zombie, jeden Morgen fragte ich mich, warum ich überhaupt geschlafen hatte. Ich nahm mir zur Abwechslung vor, mich wieder an meine Träume zu erinnern, basta! Sowas geht ganz leicht: einfach am Abend einiges über Traum und Träumen lesen (vorzugsweise jedoch kein albernes Traumdeutungslexikon), schwupps war die Erinnerung wieder da. Mittlerweile wache ich mehrmals in der Nacht auf und mache mir ein paar Notizen zu meinen Träumen. Tags drauf brauche ich meist 1-2 Stunden für die Entschlüsselung. Ja, das ist anstrengend, und nein, die Nächte sind nicht sehr erholsam. Waren sie vorher ja aber auch nicht.

Mond

Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da …

#3 Frühstücken

Die einzige Mahlzeit am Tage, die man noch halbwegs mit Spaß und Genuss zu sich nehmen kann. Sollte man also ausnutzen und möglichst bis zur Siesta ausdehnen. Am besten mit lieben Freunden, denn halbwegs intelligente Unterhaltungen kann man ab 12 Uhr ohnehin nicht mehr führen. Verzicht auf Alkohol zur frühen Stunde ist auch völlig überflüssig, das Nüchternsein nützt einem nämlich bis zum Mondaufgang gar nichts. Probleme kann es unter Umständen in Kombination mit Life Hack #2 geben – wenn die Traumberichterstattung den Tischgenossen den Appetit verdirbt …

Frühstück

Sherry-Frühstück – ein Gedicht

#4 Dias gucken

OK, das ist wirklich was für die ganz Harten. Tablet an und wisch-wisch ein paar Bilder anschauen? Nix da. Fürs Aufstellen der Leinwand braucht man schon mal ordentlich Kraft. Klemmt sich auch ein oder zwei mal die Finger. Wo war noch mal das Verlängerungskabel? Dann auf die Leiter um den Projektor vom Kleiderschrank zu holen. Ungläubiger Blick auf das Preisschild, das noch auf dem Karton klebt: „Dodenhof, 299 DM“. Bange Sekunden beim Einschalten: funktioniert das Birnchen noch? Die Dias stehen ganz hinten im Schrank und irgendjemand (ich?) hat sie beim letzten Mal nicht richtig wegsortiert. Nervige Feinjustage, bis die Schärfe so einigermaßen stimmt. Aber dann: trips down memory lane. Und an den Bildeindruck kommen alle High Resolution Monitore nicht ran. Anspieltipp: Abendbilder von der Kreideküste auf Rügen. Soundtrack: das Brummen vom Projektor.

Diaschau

Retro-Feeling vom Feinsten

#5 Eichen-Meditation

Eiche

Eichen-Heimweh

Freiwillige Bewegungen tendieren gegen Null – das ist doch eine gute Gelegenheit, einen weiteren Vorsatz in die Tat umzusetzen und zu meditieren. Aber ganz so einfach ist das nicht, kaum sitze ich auf der Stuhlkante und spüre in mich hinein, habe ich das Gefühl, jemand hat schwere, rotglühende Stahlplatten auf meine Schulterblätter montiert. Ich probiere verschiedene Methoden, Körperhaltungen, Atemtechniken. Entweder tut was weh oder ich ertappe mich dabei, dass irgendeine Gehirnwindung schon mal den Einkaufszettel für morgen zusammenstellt. Bis mir die Eichen-Meditation einfällt. Und die geht so: Ich stelle mich aufrecht hin, die Knie leicht gebeugt, das Becken etwas nach vorn gekippt. Der Hals ist lang, das Kinn ein bisschen zur Brust gezogen. Die Arme hängen entspannt. Die Füße stehen fest und schwer auf dem Grund. Ich schlage Wurzeln, die bis tief in die Erde reichen. Dort ist ein unterirdischer, kristallklarer See. Das eisblaue Wasser fließt über die Wurzeln durch mich hindurch bis in die Äste, die immer weiter in den Himmel wachsen. Meine Krone wird mit der Zeit immer breiter und spendet Schatten. Vögel suchen in ihr Zuflucht und zu meine Füßen lagern ein paar erschöpfte Wanderer. Mittlerweile bin ich riesengroß. In der Ferne höre ich die Glocken eines kleinen Kirchturms und so fort … das kann ein paar hundert Jahre so weitergehen.

Das Schöne an diesen Hacks: man muss sie nicht zwingend einstellen, sobald die Temperatur unter 30 Grad sinkt. Man kann dann bloß nicht mehr die Schuld für alle abgedrehten Verhaltensweisen auf die Hitze schieben. Vielleicht hat man ja mittlerweile auch so viel Spaß daran, dass man gar keine Entschuldigungen mehr braucht …

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