Mission Completed

Käptn Blaubär

Die Autorin pflegt ihre Kaufbelege in einem Ordner zu archivieren, in dem sich sieben Klarsichthüllen befinden, jeweils eine Hülle für ein Jahr. Warum sieben? Das weiß keiner, die Zahl entspricht jedenfalls keiner bekannten Aufbewahrungsfrist. Ein nettes Ritual zum Jahresbeginn ist es, die älteste Hülle zu leeren und mit der aktuellen Jahreszahl zu versehen. Bevor die Belege in den Papierkorb wandern, werden sie noch einmal gesichtet. Nicht dass davon noch irgendeiner aufgehoben werden müsste. Aber es ist doch amüsant zu sehen, was man vor sieben Jahren so alles „lieber hatte als Geld“ (um Garfield zu zitieren). Diesmal ging also der „trip down memory lane“ ins Jahr 2010.

In punkto Nachhaltigkeit war das kein gutes Jahr. Lediglich die Investition in den Lesesessel hat sich gelohnt, dort abends reinzuplumpsen und mit einem Buch dem Faultier Gesellschaft zu leisten, ist immer noch ein echtes Highlight. Aber sonst: neben allerlei billigem Ikea- und Tchibo-Gedöns und galaktisch teurer Edel-Kosmetik (geschickte Kosmetikerinnen können einen da in eine regelrechte Abhängigkeit treiben), sind zu erwähnen: Der Toaster, der so viele Funken sprühte, dass ich ihn nicht einmal mehr dem Repair Café zumuten mochte. Die Personenwaage, die zwar im Repair Café war, von der ich mich dann aber aus bekannten Gründen getrennt habe. Das Dirndl für die Hochzeit einer volksfest-affinen Kollegin (weitere Use Cases gab es dann nicht). Das Billy-Regal, das ich in einer schweißtreibenden Nacht- und Nebel-Aktion in unserem Büro installiert habe, um eine Büchertauschbörse zu gründen. Die Einweihungsparty war sehr lustig und das Regal ruckzuck voll. Es kam dann bloß niemand mehr, um Bücher abzuholen. (Vielleicht hätten wir es nicht „Bücherwurmloch“ nennen sollen …) All das ist schon längst nicht mehr in meinem Besitz.

Dieses Blog habe ich vor knapp drei Jahren ins Leben gerufen, als ich mich in das Abenteuer einer Auszeit stürzte. Freunde und Ex-Kollegen wollten an diesem Abenteuer teilhaben, und ich fand es zunehmend reizvoll, über meine Erfahrungen zu reflektieren und meine Schreiblust auszutoben. Irgendwann wurden die Artikel dann weniger, nicht nur, weil ich wieder mehr zu tun hatte, sondern auch, weil die Erfahrungen anfingen, sich dem luftigen Plauderton zu widersetzen.

Eine erstaunliche Anzahl der Artikel in diesem Blog beschäftigen sich mit dem Thema Minimalismus, das hat schon fast den Anschein einer Obsession. Kann man während einer Auszeit nicht weltbewegendere Dinge tun, als seinen Krempel auszumisten? Im Nachhinein betrachtet, war allerdings genau das die praktische Umsetzung des Rilke-Zitats, das ich mir als Motto für meine Auszeit ausgesucht hatte: „Lebe die Fragen!“. Es ging gar nicht um eine Reise ins Unbekannte, die Erforschung einer Terra Incognita, wie ich anfangs annahm. Es ging darum, herauszufinden, was wesentlich ist in meinem Leben und was nicht. Und nachdem ich meine Wohnung so einigermaßen entschlackt hatte, war plötzlich der Blick frei auf die immateriellen Dinge – und letztlich auch hier der Weg frei für eine Reduktion auf das Wesentliche.

Um es kurz zu machen: Das Schreiben gehört zu den wesentlichen Dingen in meinem Leben, dieses Blog gehört nicht dazu. Es war ein großartiger Weggefährte während einer Auszeit, die nun am 1. Mai für mich definitiv zu Ende gegangen ist. Und genauso wundervolle Begleiter waren meine Leser, denen ich für ihr Feedback, ihre Ermutigung und die oft tiefschürfenden Diskussionen von Herzen danke.

Danke und bis irgendwann auf einem anderen Kanal …

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Angesichts höchst eigenwilliger kaufmännischer Lösungen , die sich mit dem trockenen Begriff „ordnungsgemäß“ so gar nicht vereinen ließen, hörte ich mich in den letzten 12 Jahren in meinem beruflichen Umfeld (obwohl 7 Jahre wahrlich genug gewesen wären) öfter sagen“ es gibt keine anthroposophische Buchführung“, was ich aber nun angesichts Deiner Zeilen überdenken muss.

    Ist eine Buchhaltung, die den kosmischen Gesetzmäßigkeiten folgt, vielleicht doch möglich? Warum nicht Belege in SIEBEN Hüllen über SIEBEN Jahre bei den SIEBEN Zwergen ablegen? Wer hindert mich, immer am SIEBTEN Tag nach Vollmond zu buchen? Statt Jahresabschlüssen Mondknotenabschlüsse alle 18 Jahre und SIEBEN Monate beim Finanzamt abzugeben?

    Während ich mich diesen Fragen hingebe, hoffe ich doch schwer, dass Du auch weiterhin das Schreiben als Dein Wesentliches pflegst. Mich würde es sehr freuen, auch in Zukunft wahre Schreibkunst zu lesen, teils vergnügt, teils nachdenklich.

    • Liebe Anette, ich muss ja schon schreiben, um des Vergnügens Deiner Kommentare nicht verlustig zu gehen! Vielleicht sollten wir gemeinsam ein dialogisches Projekt aushecken …

      Eine kosmologische Buchhaltung fände dann sogar ich reizvoll. Das lässt sich bestimmt auch auf andere Arbeitsbereiche übertragen. Vielleicht eine neue Anwendung für Gamification …? Ach ja, es wird nicht langweilig 🙂

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